Haßfurt / Prappach, Lkr. Haßberge. Mit lautstarken Salven begrüßten am Neujahrstag über 30 Böllerschützinnen und Böllerschützen das neue Jahr auf dem Haßfurter Modellflugplatz bei Prappach. Trotz eisigem Wind auf der Anhöhe in der Flur ließen es sich rund 150 Interessierte nicht nehmen, das traditionelle Neujahrsschießen live mitzuerleben.
Zum Einsatz kamen insgesamt 25 verschiedene Gerätschaften, darunter Handböller, Schaftböller, Mörser und Böllerkanonen. Gefeuert wurde in Richtung des Gewerbegebiets Schlettach. Die fünf Salven Eröffnungssalut, langsames und schnelles Reihenfeuer, Doppelschlag sowie Ehrensalut sorgten für ein imposantes Donnergrollen, das aus Richtung des Steigerwaldes eindrucksvoll widerhallte.

Kai Scheppe aus Heilgersdorf im Landkreis Coburg hatte das Kommando über die Schützen und gab die nötigen Anweisungen. Dabei achtete er mit großer Sorgfalt darauf, dass jeder Handgriff von den Böllerschützen gewissenhaft ausgeführt wurde. . Der 29-Jährige ist Mitglied im Schützenverein „Schwarzer Keiler“ in Heilgersdorf und seit vielen Jahren vom Böllerschießen begeistert. Mit seinem eigenen Handböller nimmt er mehrmals im Jahr an Veranstaltungen teil, bei denen diese Tradition gepflegt wird, etwa bei Kirchweihen, Hochzeiten oder runden Geburtstagen von Schützenkameraden.

Der Großteil der teilnehmenden Böllerschützen kam aus dem Landkreis Haßberge sowie aus dem oberfränkischen Teil des Steigerwaldes. Die weiteste Anreise hatte Franz-Peter Haase aus Bad Brückenau, der in der Szene als „Böller Franz“ bekannt ist. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Birgit Strauss teilt er die Leidenschaft für das Böllerschießen. Während sie einen Schaftböller besitzt, bringt er zu den Veranstaltungen ein besonderes Unikat mit. Sein dreischüssiger Standböller mit dem Namen Sirius und einem Kaliber von 80 Millimetern wurde von ihm in aufwendiger Handarbeit selbst gebaut. Im vergangenen Jahr stellte Haase einen beachtlichen Rekord auf. Bei 39 Veranstaltungen im Jahr 2025 lag sein Pulververbrauch bei 200 Kilogramm. Dafür legte er quer durch Deutschland eine einfache Wegstrecke von nahezu 6.000 Kilometern zurück.

Organisiert wird die Veranstaltung seit 2011 von Udo Naß aus Prappach, der als Böllerreferent des Schützengaus Schweinfurt die Hauptverantwortung trägt. Ursprünglich fand das Neujahrsschießen neun Jahre lang am Zeiler Käppele statt. Seit 2020, unterbrochen lediglich durch die Corona Zeit, wird es mit Unterstützung der Modellsportgruppe Haßberge auf deren Modellflugplatz ausgerichtet. Die Modellsportgruppe feiert in diesem Jahr zudem ihr 50-jähriges Bestehen und plant aus diesem Anlass im Sommer einen großen Flugschautag.
