Maroldsweisach, Lkr. Haßberge. Ausnahmezustand herrschte am Dienstagabend in Maroldsweisach. Zum Endspurt des Kommunalwahlkampfes hatte sich hoher Besuch angekündigt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kam in die Marktgemeinde, um die CSU-Bürgermeisterkandidatin Heidi Müller-Gärtner sowie den CSU-Landratskandidaten Michael Ziegler zu unterstützen. Rund 500 Menschen strömten in den Saal der Brauerei Hartleb. Bereits am späten Nachmittag regelten die Feuerwehren aus Maroldsweisach, Ditterswind und Ermershausen den Verkehr in der Ortsdurchfahrt und wiesen den Besuchern Parkplätze zu.
Unter den Klängen des Bayerischen Defiliermarsches, gespielt von der Weisachtaler Blasmusik, zog Markus Söder pünktlich um 19 Uhr in den voll besetzten Saal ein. Für den Ministerpräsidenten war es nicht der erste Besuch in Maroldsweisach. Landtagsabgeordneter Steffen Vogel erinnerte daran, dass Söder bereits zum vierten Mal in der Gemeinde zu Gast sei. Sein erster Besuch liege rund 30 Jahre zurück, als er beim Jugendempfang der Jungen Union zur Kommunalwahl 1996 nach Maroldsweisach kam. Damals war die Gemeinde noch stark von der SPD geprägt. Dass hier einmal ein CSU-Bürgermeister gewählt würde, konnte sich damals kaum jemand vorstellen. Erst 2002 gelang dies Wilhelm Schneider aus Allertshausen, der das Amt bis zu seiner Wahl zum Landrat im Jahr 2014 innehatte.

An diese Zeit möchte nun Heidi Müller-Gärtner anknüpfen. Bereits 2020 trat sie als Bürgermeisterkandidatin an und unterlag dem amtierenden SPD-Bürgermeister Wolfram Thein nur äußerst knapp. Gerade einmal 64 Stimmen fehlten ihr zum Wahlsieg. Nun unternimmt die 46-Jährige, die auch zweite Bürgermeisterin ist, einen neuen Anlauf. In ihrer Rede wandte sie sich direkt an den Ministerpräsidenten und schilderte die Herausforderungen kleiner Kommunen. Maroldsweisach liege faktisch weiterhin im ehemaligen Zonenrandgebiet an der Grenze zu Thüringen und spüre ein deutliches Fördergefälle. Die Marktgemeinde mit ihren 17 Ortsteilen stehe vor zahlreichen Aufgaben. Als Beispiele nannte sie den Denkmalschutz, der mit mehr Augenmaß gehandhabt werden müsse, den Neubau einer Kläranlage sowie die dringend notwendige Sanierung der rund 50 Jahre alten Schule. Gleichzeitig seien die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde begrenzt. Kleine Kommunen dürften nicht überfordert werden, betonte Müller-Gärtner und wünschte sich mehr Unterstützung vom Freistaat.

Markus Söder griff diese Punkte in seiner Rede auf. Die Seele des Landes liege im ländlichen Raum. Er versprach, sich auch künftig dafür einzusetzen, dass Fördermittel nicht nur in die großen Städte fließen, sondern auch in die Dörfer und Gemeinden Frankens. Über eine Stunde sprach der Ministerpräsident frei und sehr unterhaltsam. Dabei spannte er den Bogen immer wieder zur großen Politik. Beim Thema Länderfinanzausgleich bemerkte er, Deutschland könne vielleicht ohne Bayern auskommen, aber ohne Franken und Bayern wäre es ziemlich schnell pleite. Ein Verbot von Verbrennerautos bezeichnete er als „Unsinn hoch drei“. Auch sicherheitspolitische Fragen streifte Söder. Deutschland werde auf Dauer wieder eine starke Bundeswehr brauchen und müsse über eine Form von Wehr- oder Dienstpflicht nachdenken. Gleichzeitig warnte er davor, radikalen Kräften politische Verantwortung zu überlassen.

In den sozialen Medien sorgt Söder regelmäßig mit seiner Reihe „Söder isst“ für Aufmerksamkeit. In Maroldsweisach warteten viele jedoch vergeblich auf ein entsprechendes Foto. Der Ministerpräsident hatte nach eigener Aussage bereits vorher gegessen. Trotzdem bezeichnete er sich mit einem Augenzwinkern als „Schutzpatron der Metzger“, denn „Ein Leben ohne Bratwürste sei zwar möglich, aber nicht wirklich sinnvoll“. Passend dazu durfte Söder dem Maroldsweisacher Metzgermeister Hans Meyer eine Ehrenurkunde für 50 Jahre Mitgliedschaft in der CSU überreichen. Für den Heimweg bekam der Ministerpräsident von ihm noch einige gegrillte Bratwürste mit. Auch Heidi Müller-Gärtner hatte ein besonderes Geschenk vorbereitet. Sie überreichte Söder ein personalisiertes Buch, in dem der Ministerpräsident als Astronaut eine Reise zu verschiedenen Planeten unternimmt.
