Vier Stunden Gasaustritt nach Arbeitsunfall – Kritik am Vorgehen des Energieversorgers

Die Integrierte Leitstelle (ILS) Schweinfurt löste Großalarm für die Feuerwehren aus. Foto: Christian Licha

Zeil am Main, Lkr. Haßberge. Ausnahmezustand herrschte am Samstagnachmittag in Zeil. Der Westen der Fachwerkstadt war großflächig abgesperrt. Die Staatsstraße 2447 (ehemalige B 26) war vom Kreisverkehr am Knetzgauer Autobahnzubringer bis zum Zeiler Ortseingang stundenlang nicht passierbar. Grund für den Großeinsatz war ein Gasaustritt auf einem Bauplatz im Gewerbegebiet Sarlachen, das ebenfalls abgesperrt war.

Kurz vor 16.30 Uhr wurde bei Baggerarbeiten auf einem Grundstück zwischen dem dortigen Discounter und der derzeit im Bau befindlichen Teefabrik eine Gasleitung beschädigt. In der Folge strömte Erdgas aus. Nach dem Eingang eines Notrufs löste die Integrierte Leitstelle (ILS) Schweinfurt Großalarm für die Feuerwehr aus. Die Wehren aus Zeil, Schmachtenberg und Sand waren mit rund 50 Einsatzkräften schnell vor Ort. Nach der ersten Erkundung bestätigte sich die Lage. Zeitweise war der Gasgeruch sogar bis auf den Parkplatz des Discounters wahrnehmbar. Zusätzlich zu den Straßensperren wurden aus Sicherheitsgründen der Discounter sowie ein benachbarter Supermarkt geräumt. Außerdem wurde der Strom im Gewerbegebiet sowie im gegenüberliegenden Baugebiet Silvanerring vorsorglich abgeschaltet.

Am Ende der Straße „Sarlachen“ trat auf einem Baugrundstück Erdgas aus. Foto: Christian Licha

Für die Gas- und Stromleitungen ist in diesem Bereich das Bayernwerk zuständig. Die ersten Mitarbeiter des Energieversorgers trafen nach rund einer halben Stunde an der Einsatzstelle ein. Zunächst konnte jedoch lediglich eine in der Nähe verlaufende 20.000 Volt-Stromleitung abgeschaltet werden. Für die Gasleitung selbst musste zunächst eine Fachkraft hinzugezogen werden, deren Eintreffen längere Zeit dauerte.

Doch selbst danach wurde die Gaszufuhr nicht sofort unterbrochen. Zwischen Vertretern von Bayernwerk, Feuerwehr und Polizei entwickelte sich eine intensive Diskussion über das weitere Vorgehen. Seitens des Energieversorgers wurde vorgeschlagen, den Baggerfahrer an einer etwas entfernten Stelle erneut ein Loch ausheben zu lassen, um die Leitung freizulegen und dort abzudichten. Allerdings sollte dies bei weiterhin laufender Gaszufuhr erfolgen. Für die Blaulichtorganisationen war dieses Vorgehen zu riskant, da dabei jederzeit eine Explosion hätte ausgelöst werden können.

Auf diesem Grundstück zwischen dem dortigen Discounter und der derzeit im Bau befindlichen Teefabrik wurde bei Baggerarbeiten eine Erdgasleitung beschädigt. Foto: Christian Licha

Begründet wurde die Zurückhaltung damit, dass sich der nächste Absperrschieber für die Gasleitung in größerer Entfernung befindet. Durch dessen Schließung wären dann auch größere Teile der Stadt Zeil vorübergehend von der Gasversorgung abgeschnitten. Nach Abwägung der Gefahrenlage ordnete die Polizei schließlich an, die Gasleitung dennoch abzuschiebern. Schlussendlich dauerte es fast vier Stunden bis die Gaszufuhr unterbrochen war. Anschließend übergab die Feuerwehr die Einsatzstelle an das Bayernwerk, das die weiteren Reparaturarbeiten übernahm.

Auch ein Discounter und ein Supermarkt waren von den umfangreichen Sperrungen betroffen. Foto: Christian Licha

„Auch die Feuerwehr darf entsprechende Schieber im Notfall schließen“, erklärte Kreisbrandmeister Maximilian Wüstenberg. Allerdings fehlte den Einsatzkräften die Kenntnis über dessen Lage. „Im Gegensatz zur Wasserversorgung haben wir keine Pläne, wo die Gasleitungen verlaufen beziehungsweise wo sich die Absperrschieber befinden“, erklärte der Zeiler Kommandant Tobias Hetterich. Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, dass die Abschaltung so lange gedauert habe.

„Man darf sich gar nicht ausmalen, was passiert, wenn so etwas einmal mitten in einem Wohngebiet geschieht und stundenlang Gas austritt“, sagte Hetterich. Schon ein einzelner Funke könne dann eine Katastrophe auslösen. Eine solche Gefährdung der Bevölkerung sei nicht akzeptabel. Hetterich kündigte daher an, sich dafür einzusetzen, dass die Feuerwehr Zugang zu den Leitungsplänen des Bayernwerks erhält. Im Ernstfall könne die Gaszufuhr dann umgehend eigenständig unterbrochen werden.

Ein Supermarkt und ein Discounter in unmittelbarer Nähe der Schadstelle wurden vorsorglich geräumt und stromlos geschaltet. Foto: Christian Licha