[VIDEO] Letztes Böllerschießen zu Neujahr am Zeiler Käppele

Foto: © Christian Licha

Zeil am Main, Lkr. Haßberge. Ein eindrucksvolles Erlebnis für die über 100 Zuschauer bot sich am Dienstagmittag vor dem Zeiler Käppele. 20 Schützen mit den unterschiedlichsten Geräten, wie Handböller, Schachtböller, Mörser und Böllerkanonen begrüßten mit ihren Schüssen das neue Jahr. Unter dem Kommando von Carola Vetter passte jeder Handgriff perfekt. Die Druckwellen waren dann deutlich zu spüren, als die fünf Salven – Eröffnungssalut, langsames und schnelles Reihenfeuer, Doppelschlag und Ehrensalut – abgefeuert wurden. Für den Gehörschutz der  Zuschauer hatten die Schützen aus Zeil,  Heilgersdorf, Sennfeld und dem Steigerwald bestens gesorgt und kostenlos Ohrstöpsel verteilt.

Udo Naß, der Böllerreferent des Schützengaus Schweinfurt und Hauptverantwortlicher des Schießens in Zeil, erklärte, obwohl es sich nicht um Waffen im eigentlichen Sinn handele, seien die Auflagen enorm. Um ein Böllerschütze zu werden, müsse man mindestens 21 Jahre alt sein und einem Schützenverein angehören. Ebenfalls sei eine Unbedenklichkeitsbescheinigung nötig, mit der die sprengstoffrechtliche Zuverlässigkeit geprüft werde. Diese müsse alle fünf Jahre wiederholt werden, genauso wie die Überprüfung der Böller und Kanonen durch das Beschussamt in Mellrichstadt.

Seit 2011 fand das Böllerschießen regelmäßig in Zeil statt. Auch in diesem Jahr durfte Bürgermeister Thomas Stadelmann wieder den ersten Schuss abfeuern und wahrscheinlich auch den letzten für immer. Pfarrer Michael Erhart ist nämlich kein großer Freund von dem Spektakel vor dem Gotteshaus. Im gefalle es nicht, dass einige Schützen in Uniformen des amerikanischen Bürgerkrieges auftraten. Außerdem befürchte der Geistliche, dass das Käppele aufgrund der hohen Druckwellen auf Dauer schaden nehmen könnte. Bürgermeister Stadelmann versprach deshalb dem Pfarrer, dass nach dem diesjährigen Schießen es in Zukunft keine Böllerschüsse vor der Kirche geben werde. Für Vorschläge bezüglich eines neuen Standortes im Stadtgebiet ist der Bürgermeister offen. Schließlich handele es sich um eine Brauchtumsveranstaltung, die aus früherer Zeit herrührt und mit der damals die bösen Geister vertrieben werden sollten.

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