Tierställe auf Gnadenhof teilweise knietief überflutet

Auch das Freigehege stand komplett unter Wasser. Foto: © Christian Licha

Ebern / Gemünder Mühle, Lkr. Haßberge. Eine Unwetterwarnung der höchsten Stufe gab der Deutsche Wetterdienst am Donnerstagnachmittag für den Landkreis Haßberge heraus. Während im Maintal vielerorts nur ein Schauer zu verzeichnen war oder es sogar trocken blieb, traf es die Jugendhilfeeinrichtung Gemünder Mühle nahe Ebern besonders hart. Durch den Starkregen, der sich ab 15.30 Uhr ergoss und die Wassermassen, die den Hang herunter liefen, wurde ein Großteil der Tierställe teilweise knietief überflutet.

Hier flossen die Wassermassen entlang. Vorne rechts ist eine der Tierunterkünfte zu sehen, in denen das Wasser teilweise kniehoch stand. Foto: © Christian Licha

“Die Quartiere der Schafe sowie der Hasen und Meerschweinchen standen komplett unter Wasser”, erzählte Gruppenleiterin Nadine Hausdörfer. Ohne lange zu zögern packten die Jungs aus den Wohngruppen “Albatros” und “Adler” mit an und brachten die Tiere in Sicherheit. Gleichzeitig wurde ein Notruf abgesetzt. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Unterpreppach, Ebern und Eyrichshof waren unter der Führung von Einsatzleiter Sven Kuhn schnell zur Stelle. “Wir haben das Wasser in den Kanal umgeleitet, um so das tiefer gelegene Haus zu schützen”, sagte Kreisbrandmeister Jonas Ludewig, der ebenfalls vor Ort war. Bis zur Eingangsstufe einer Wohngruppe war das Wasser vorgedrungen. Sandsäcke verhinderten schlimmeres. In die rückwärtige Werkstatt drang zwar Wasser ein, Gerätschaften wurden aber nicht beschädigt. Nach der anschließenden Reinigung der Straße konnte die Feuerwehr wieder abrücken.

Die Jungs, die in der Gemündner Mühle ihre Zuhause haben, retteten nicht nur die Tiere aus dem Wasser, sondern packten auch beim Aufräumen tatkräftig mit an. Foto: © Christian Licha

Elsa, Hermine und Willi, drei Coburger Fuchs-Schafe, die seinerzeit von der Mutter verstoßen und in Gemünd liebevoll aufgepeppelt wurden, verbrachten die Nacht ausnahmsweise unter freiem Himmel in einem Gatter. Die neun Hasen und zwei Meerschweinchen wurden in einem Kleintierhaus untergebracht. Etwas mehr Glück hatten die Hängebauchschweine, in deren Stall es keine Überflutung gab. “Wir werden mit vereinten Kräften alles wieder herrichten, so dass die Tiere bald wieder in ihre gewohnte Umgebung können”, erklärte Nadine Hausdörfer. Die Heilpädagogin lobte ihre Schützlinge und vor allem auch die vielen Ehrenamtlichen der drei Feuerwehren für die Unterstützung: “Wir können den Feuerwehrmännern und -frauen gar nicht genug danken, dass sie ihre Freizeit geopfert haben, um uns zu helfen”. Alles in allem war das Wetterereignis Glück im Unglück. Großartige Sachschäden sind nicht zu beklagen und vor allem wurden auch weder Vierbeiner noch Menschen verletzt.

Elsa, Hermine und Willi, drei Coburger Fuchs-Schafe, die hier auf diesem Archivfoto noch ihre Winterwolle tragen, mussten die Nacht unter freiem Himmel in einem Gatter verbringen. Foto: © Christian Licha

Die Gemünder Mühle ist das Zuhause von jungen Menschen zwischen sechs und 18 Jahren, die Verhaltensauffälligkeiten oder psychische Probleme haben.  Die Jugendhilfeeinrichtung unter der Trägerschaft der Evangelischen Jugendhilfe Würzburg, besteht erfolgreich seit 10 Jahren und hat auch einen Gnadenhof für Tiere, die aus schlechter Haltung gerettet wurden oder sonst kein Zuhause mehr finden würden. Um den Kindern und Jugendlichen zu lernen, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen, hat jeder Bewohner auch eine Patenschaft für ein Tier übernommen, das er mit Unterstützung von zwei Tierpflegern betreut und versorgt.

Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, bekamen die Tiere eine extra Streicheleinheit, um die Aufregung besser verkraften zu können. Foto: © Christian Licha
Die Hängebauchschweine hatten Glück, ihr Stall wurde nicht überflutet. Foto: © Christian Licha
Wahre Sturzbäche ergossen sich auf dem Grundstück der Jugendhilfeeinrichtung. Foto: © Christian Licha

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